Nuklearmedizin

Radiojod-Therapie von gut- und bösartigen Schilddrüsenknoten

Ablauf der Behandlung / evtl. notwendige Voruntersuchungen:

Sie werden zur Behandlung mit radioaktivem Jod auf unserer modern ausgestatteten Therapiestation aufgenommen.
Während der Behandlung werden Sie in einem Einzel- oder Doppelzimmer untergebracht. Alle Zimmer haben große Fenster und sind mit Telefon und Fernsehgerät ausgestattet. Die Station ist ständig mit Pflegepersonal besetzt, das Sie betreut und Ihnen Ihr Essen bringt, welches Sie sich nach dem Speiseplan selbst zusammenstellen können. Wenn Sie wegen einer anderen Erkrankung eine besondere Diät einhalten müssen, so ist auch das möglich. Teilen Sie dies der Stationsschwester mit. An allen Tagen findet eine tägliche Visite statt.
Für Ihren Aufenthalt bringen Sie bitte ausreichend Wäsche (Bekleidung) mit. Sie sollten sich zwar nur in Ihrem Zimmer aufhalten, brauchen aber nicht ständig im Bett zu liegen, da die Behandlung keine Belastung für Sie darstellt. Zusätzlich sollten Sie sich zur erholsamen Beschäftigung auch eventuell Lesestoff oder Handarbeiten mitbringen. Dinge, die Sie mitgebracht haben, dürfen Sie selbstverständlich wieder mit nach Hause nehmen, mit der einen Ausnahme: Ihre persönliche Kleidung ist vermeintlich gering strahlenbelastet und wird deswegen in einem mit Ihrem Namen gekennzeichneten Beutel eine gewisse Zeit aufbewahrt / in der Regel können diese anlässlich Ihrer ersten Laborkontrolle 4 Wochen nach erfolgter Therapie wieder mitnehmen.
Wenn Sie dies lesen, werden Sie feststellen, dass es eigentlich keinen Unterschied zu einer normalen Krankenhausbehandlung gibt. Kleine Kapsel, große Wirkung ... (Foto: Nuklearmedizin)#Aber eine Einschränkung müssen wir wegen der gesetzlichen Bestimmungen doch einhalten: Sie dürfen während Ihres Aufenthaltes auf unserer Therapiestation keinen Besuch empfangen und die Station auch nicht verlassen, da das verabreichte Radiojod aus Ihrem Körper herausstrahlt. Wenn Sie bei unseren regelmäßigen Kontrollmessungen einen bestimmten Grenzwert unterschreiten (der routinemäßig im Patientenzimmer laufend ermittelt wird), dürfen wir Sie nach Hause entlassen. Sobald Ihr Entlassungstermin feststeht, werden wir Ihnen dies bei der Visite mitteilen.
Um eine Unterbrechung einer für Sie notwendigen Behandlung mit anderen Medikamenten, die Ihnen vom Hausarzt verordnet wurden, zu vermeiden, sollten Sie Ihre Medikamente
in ausreichender Menge für die Dauer des stationären Aufenthaltes (also maximal 7 Tage) bei uns mitbringen. Natürlich stehen auch bei uns Medikamente zur Verfügung, ein Umsetzen auf andere vorhandene Präparate ist jedoch oft nicht wünschenswert.
Während des stationären Aufenthaltes besteht auch die Möglichkeit Post zu empfangen oder zu verschicken. Ihre Adresse lautet: Südharz-Klinikum Nordhausen, Station 2D/ Nuklearmedizin, Dr.-Robert-Koch-Str. 39, 99734 Nordhausen.

Wie funktioniert die Radiojod-Therapie?

Bei der Herstellung der Schilddrüsenhormone nimmt die Schilddrüse das in der Nahrung vor-kommende Jod auf und speichert es vorübergehend. In gleicher Weise wird auch das Therapie-Jod (Jod-131), das als Kapsel eingenommen wird, in der Schilddrüse gespeichert. Andere Organe können Jod nicht speichern. Die durch den radioaktiven Zerfall freigesetzte Strahlung zerstört die erkrankten Schilddrüsenzellen, sodass deren Fehlfunktion ausgeschaltet wird. Ein „heißer“ Knoten wird dadurch zu einem „kalten“ Knoten. Der Knoten wird meist kleiner. Die Radiojod-Therapie ist in der Regel mit der einmaligen Einnahme einer Kapsel abgeschlossen und damit kaum belastend für Sie. Sollte der Therapie-Erfolg ausnahmsweise nicht vollständig sein, sind bei Bedarf auch mehrfache Wiederholungen möglich. Der stationäre Aufenthalt dauert je nach Erkrankung 2 bis 8 Tage, nur selten länger.

Wie hoch ist die Strahlenbelastung?

Nur die Schilddrüse speichert das verabreichte Jod. Der therapeutisch nutzbare Strahlungsanteil (Beta-Strahlung) wird in der Schilddrüse absorbiert. Nur die therapeutisch nicht nutzbare Gamma-Strahlung strahlt aus der Schilddrüse heraus. Hieraus ergibt sich eine (erwünscht) hohe Strahlenbelastung für die Schilddrüse selbst, aber nur eine geringe für die übrigen Organe und ihre Umgebung. Deshalb kann auch bei jüngeren Patienten mit Kinderwunsch eine Radiojodtherapie durchgeführt werden. Nach abgeschlossener Behandlung besteht kein erhöhtes Missbildungsrisiko. Hierzu sollten sie aber noch einmal den behandelnden Arzt fragen.

Sind Vorbereitungen notwendig?

Innerhalb von etwa 10 bis 14 Tagen vor der Therapie bedarf es einer Voruntersuchung, bei der die genaue Dosis (Aktivität) berechnet wird, die notwendig ist, die Schilddrüsenerkrankung zu heilen. Es wird sichergestellt, dass sie nicht einer unnötigen Strahlenbelastung ausgesetzt sind. Hierzu dienen insbesondere eine Messung der Jodaufnahme in der Schilddrüse, der Ultraschall und Blutuntersuchungen. In einigen Fällen ist eine medikamentöse Vorbehandlung erforderlich. Bitte halten Sie entsprechende Untersuchungstermine und Absprachen mit uns unbedingt ein, da sonst die Durchführung der Therapie gefährdet sein kann.

Mit welchen Nebenwirkungen ist zu rechnen?

Je nach der für Sie individuell festgelegten Dosis (Therapie-Aktivität) können je nach Höhe der Dosis Nebenwirkungen auftreten. Die häufigsten sind:
  • In den ersten beiden Tagen nachdem Sie die Kapsel geschluckt haben, können Sie leichtes Sodbrennen verspüren.
  • Vorübergehende Schwellung und Schmerzen im Bereich der Schilddrüse sowie Schluck-beschwerden (Strahlenthyreoiditis). In der Regel ist eine schnelle Linderung durch Medikamente und lokale Maßnahmen zu erreichen.
  • Kurzfristige Schmerzen in den Speicheldrüsen, bei wiederholter Therapie eventuell auch Störung der Speicheldrüsenfunktion (Mundtrockenheit). Hierfür steht Ihnen unverdünnter und ungesüßter Zitronensaft zur Verfügung, mit dem Sie öfter schluckweise den Mund spülen sollten.
  • Es kann sich eine Schilddrüsenunterfunktion einstellen (bei bestimmten Erkrankungen er-wünscht), die sich durch Einnahme von Schilddrüsenhormon-Tabletten gut ausgleichen lässt.

Wann stellt sich der Erfolg ein?

Der Therapieerfolg kann erst nach Ablauf von 3 bis 6 Monaten abschließend beurteilt werden. Hierzu erfolgt eine Nachuntersuchung in der Regel nach ca. 3 Monaten. Bei unzureichendem Behandlungsergebnis ist eine erneute Radiojod-Therapie in der Regel möglich.

Kontrolluntersuchungen:

In den ersten Monaten nach der Behandlung sind therapiebedingte Änderungen im Hormon-Haushalt zu erwarten. In dieser Zeit sind daher Kontrollen erforderlich, die sich in der Regel auf Blutuntersuchungen beschränken. Zur Beurteilung ist auch eine szintigraphische und sonographische Kontrolle nach etwa 6 Monaten notwendig.

Hinweise für das Verhalten nach der stationären Behandlung:

Sie werden zur Behandlung Ihrer Schilddrüsenerkrankung radioaktives Jod bekommen. Ein Großteil davon wird während Ihres stationären Aufenthaltes vorwiegend über die Nieren mit dem Urin ausgeschieden. Nur noch ein geringer Teil wird im Körper verbleiben, überwiegend in der Schilddrüse. Hiervon geht über einige Tage Strahlung aus, die Personen in Ihrer Nähe belasten könnte. Sie sollten daher für die nächsten 2 - 3 Tage nach Ihrer Entlassung einige Vorsichtsmaßnahmen einhalten:
  • Bitte versuchen Sie zu allen Personen, mit denen Sie länger als 1 Stunde zusammen sind, einen Abstand von etwa 2 Metern zu halten. Dies gilt sowohl an der Arbeitsstelle als auch zu Hause. Für kürzere Zeit reicht ein Abstand von etwa 1 Meter.
  • Der Kontakt zu schwangeren Frauen sollte vermieden werden.
  • Der engere Umgang mit Kindern, besonders Kindern unter 10 Jahren, sollte über die Zeit von 2 - 3 Tagen weitgehend eingeschränkt werden. Engerer körperlicher Kontakt sollte in jedem Fall vermieden werden. Säuglinge dürfen nicht gestillt werden. Es muss zu einem Abstillen geraten werden.
  • In dieser Zeit sollte auch die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel möglichst vermieden werden, bzw. auf eine Zeit unter 1 Stunde beschränkt werden. Wenn Sie ein Taxi benutzen müssen, sollten Sie sich auf den Rücksitz schräg hinter den Fahrer setzen.
  • Bei der Toilettennutzung ist auf besondere Hygiene zu achten. Das Verschütten von Urin muss vermieden werden.
  • Besteck, Geschirr, Waschlappen und Handtücher sollten Sie nicht mit anderen Personen teilen, da Radiojod auch über Speichel und Schweiß ausgeschieden wird. Nach dem Waschen der Gegenstände können diese wieder unbedenklich benutzt werden.
  • Kindergärtnerinnen und Lehrer, die mit jüngeren Kindern zu tun haben, sollten vor der Wiederaufnahme ihrer beruflichen Tätigkeit etwa 1 Woche warten.
  • Eine Schwangerschaft oder die Zeugung eines Kindes sollte innerhalb von 4 bis 6 Monaten nach dem stationären Aufenthalt vermieden werden, da es durch die Behandlung zu Störungen im Hormonhaushalt kommen kann, die sich ungünstig auf die Schwangerschaft auswirken könnten.

Nuklearmedizin - Station (Foto: Nuklearmedizin)
Nuklearmedizin - Station (Foto: Nuklearmedizin)
Nuklearmedizin - Labor (Foto: Nuklearmedizin)
Nuklearmedizin - Abklinganlage unter dem Klinikum (Foto: Nuklearmedizin)
Bei Fragen können Sie sich gerne unter der Nummer (03631) 41 28 75 an uns wenden.

Ergebnis:

Die Epikrise (der Krankenhausbericht) geht dem überweisenden Arzt resp. Ihrem Hausarzt per Post zu. Sollten Sie eine Kopie wünschen, teilen Sie das bitte bei der Anmeldung mit !

Weiterführende Informationen:

Patientenaufklärungsbogen aus dem Aufklärungssystem Diomed Erschienen bei Thieme Compliance GmbH, Am Weichselgarten 30, 91058 Erlangen / MUSTER – nur zur Ansicht!